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Magdeburger Chorfest 2002

Man mag es kaum glauben, aber die Tradition des Magdeburger Chorfestes reicht bis ins vorige Jahrtausend zurück. Zugegeben, das ist im Jahre 2002 kein Kunststück, aber es gab tatsächlich schon im Jahr 1825 das erste "Musikfest an der Elbe" in Magdeburg. Irgendwann kam eine lange Weile nix und 1993 wurde das Chorfest wieder aufgemöbelt. In diesem Jahr fand es zum 9. Mal statt, hauptsächlich in der Johanniskirche.
20.09. bis 22.09.02 in Magdeburg
Johanniskirche Magdeburg Als wir uns angemeldet haben, existierten wir zwar erst einen Monat und paar Stunden, aber bis September war ja noch ewig Zeit.
Einen Namen hatten wir auch nicht, aber eine Demo-Aufnahme, welche wir in der Hoffnungskirche gemacht haben, mit den Liedern, die wir wenigstens schon einigermaßen beherrschten.

Aber irgendwie haben sich die Organisatoren gefreut, dass es in Magdeburg mal wieder einen Chor gibt, der auch Jugendliche anzieht. Vielleicht war das unser Bonus .

In den letzten Proben widmeten wir uns nur noch den sechs Liedern, die wir zum Chorfest singen wollten. Zwei davon waren ganz neu. Wir hatten schon überlegt, ob wir die nicht einfach austauschen und dafür zwei alte singen. Aber die Programme waren gedruckt und außerdem war das noch ein besonderer Anreiz.

Nun ist es bei den Magdeburger Chorfesten Tradition geworden, dass sich immer jeweils ein Ansprechpartner der Magdeburger Chöre um jeweils ein Konzert kümmert.
Ich habe mir gleich mal das Eröffnungskonzert ausgesucht, da ich sowieso vorhatte, es zu besuchen.
Es war gar nicht so einfach, die fünf Chöre zu koordinieren, zumal die Räumlichkeiten für so große Menschengruppen ziemlich beengt sind. Und man will ja auch alles richtig machen und es sich nicht mit den Chorleitern und Vorsitzenden verscherzen.
Aber letztendlich hat doch alles gut geklappt dank der Mithilfe aller. Die Einsing- und Stellproben wurden wirklich auf die Minute beendet und die Bühne für den nächsten Chor geräumt. Das fand ich schon bemerkenswert.
Postchor Magdeburg Das Konzert selbst war, wie erwartet, ein Kunstgenuss der besonderen Art, Ein bunter Reigen klassischer und moderner Chorliteratur. Eine hervorragende Mischung der besten Chöre, welche zeigt, wie gut sich die Choroberen Magdeburgs in ihrer Szene auskennen. Magdeburger Knabenchor
Angefangen mit dem gemischten Postchor, der eine bunte Kostprobe seines Könnens gab. Neben der Freude am Hören machte es auch Spaß, dem Dirigenten bei seiner "Arbeit" zuzusehen.
Einer anderen Chorgattung gehört der Magdeburger Knabenchor an. Publikumsliebling war sicher der kleine Blonde aus der ersten Reihe. Wie ernsthaft und aufmerksam er seinen Chorleiter Frank Satzky ansah und jeder seiner Bewegungen folgte, die Notenmappe mit nur einer Hand mühsam haltend, war einfach zu süß. Schade, dass der Chor ausgerechnet die "Vogelhochzeit" wegließ. Beim Einsingen schon hörte man, dass dieses Stück eine außerordentlich interessante und sicher auch schwer zu singende Bearbeitung des bekannten und eher schlicht gehaltenen Volksliedes darstellte.
Der Jugendchor der neuapostolischen Kirche in Magdeburg war der Beweis dafür, dass die Jugend von heute dem Chorgesang doch nicht abgeneigt ist, wie man immer glauben mag. Ein zahlenmäßig sehr starker Chor, der uns vor allem geistliches Liedgut zu Gehör brachte. Der Frauenchor "cantare et vivere" gab mit glockenklaren Sopranstimmen, aber auch kräftig-warmen Altstimmen viele kurze, abwechslungsreiche Stücke zum Besten.
Den krönenden Abschluss bildete wieder ein gemischter Chor, der Polizeichor Magdeburg, der ja nun mittlerweile zu einer festen Institution in der Magdeburger Chorszene geworden ist. Mit im Repertoire war auch mein Immer-noch-Lieblingslied "Pod dugoi", ein russisches Volkslied. Wie Tanja Schemetowa dabei über die Klaviertasten wirbelt - einfach Spitze oder wie der Russe sagt: Äch! (Heißt soviel wie Olé oder yippie).

Vielleicht sollte ich jetzt mal zu unserem eigenen Konzert kommen.
Wie bei den anderen Auftritten auch haben wir einen Tag vorher wieder eine Mammutprobe gemacht, bis uns das "Yesterday" zum Hals raushing und auch "Sealed with a kiss" sangen wir nicht mehr so wirklich gern.
Unser großes Ereignis begann mit dem Einsingen, wo beide Lieder so klangen,als hätten wir nie Probleme damit gehabt. Hoffentlich klappt das nachher auch so. Schließlich ist dieses Chorfest ziemlich wichtig für uns. Und als "Vorgruppe" vom Egelner Kammerchor "Young voices" dürfen wir uns nicht völlig blamieren.

Unser Moderator Alex begrüßte die Zuschauer in seiner bekannt liebenswürdigen Art, natürlich wieder nicht ohne zu erwähnen, dass wir auch ein paar Beamte unter uns haben.
Wer schon mal in der Johanniskirche gesungen hat, der weiß, dass die Akustik für Chöre nicht so optimal ist, erst recht für so kleine. So gab es doch kleine Verständigungsschwierigkeiten zwischen den einzelnen Stimmgruppen, was aber hoffentlich nur den Fachleuten aufgefallen ist. So im Nachhinein kann man anhand der Aufnahmen sagen, dass wir zwar noch ein paar Tage üben müssen, aber so langsam kommt doch Kultur in unseren Gesang. Wenn ich so an die DEMO-CD denke...
Nach uns sangen die Young Voices ihr sehr anspruchsvolles Repertoire in einer Qualität, die eine Teilnahme an der Internationalen Chorolympiade vollkommen gerechtfertigt. Übrigens haben sie dort in Südkorea (Oktober 2002) in drei Kategorien das silberne Diplom ersungen. Kompliment!

Danach sang der Kinderchor Halle. Die Mädels haben mir eigentlich ein bisschen leid getan. Deren Kostüme waren wahrscheinlich zur Zeit der Gründung des Chores vor 30 Jahren modern. Gesungen haben sie sehr schön (besonders "Hebe deine Augen auf"), kamen aber nicht kindgerecht rüber. Dies ist natürlich nur meine unbedeutende persönliche Meinung.
Nach dem Konzert war aber das Chorfest noch nicht zu Ende. Hansi und ich hatten als Chorleiter und Vertreter des Chores Ehrenkarten für das Abschlusskonzert im Theater der Landeshauptstadt. Dort wurde als Höhepunkt des Chorfestes der " Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy von Künstlern des Theaters und Laienchören aufgeführt. Leider war die Zeit zwischen unserem und dem Abschlusskonzert zu kurz für uns, so haben wir es nur zum zweiten Teil geschafft. Im Nachhinein betrachtet war ich ganz froh, denn eigentlich stehe ich mehr auf die leichte Muse der Chormusik. Wie der Zufall es jedoch wollte, hörten wir "Hebe deine Augen auf" gleich noch einmal, denn es ist ja ein Stück aus dem Elias, und darüber war ich ganz froh, denn ich mag dieses Lied. Erst recht, wenn es von drei Profi-Sängerinnen vorgetragen wird.

So ging ein Wochenende voller Chorgesang zu Ende. Es war zwar stressig, aber hat auch Spaß gemacht und es hat den Namen "InTakt" wieder ein bisschen bekannter gemacht.
Zum Schluss noch ein großes Dankeschön an Frau Pistorius vom Kulturamt Magdeburg und Frau Brada vom Musikrat Magdeburg für die erfolgreiche Zusammenarbeit und freundliche Unterstützung.