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Geschichten erzählen, die noch keiner weiß...
Eine ziemlich persönliche Betrachtung von Jana Demmin
Als ich im Jahr 2000 einen neuen Chor zu gründen beabsichtigte, träumte ich von einem kleinen, feinen Ensemble mit ca. 12 Leuten, welche allesamt Spaß und Freude am Singen haben und bereit sind, Zeit und Kraft zu investieren.
Zu der Zeit sangen Hansi als Chorleiter und ich schon einige Monate in einem anderen Ensemble, in welchem es uns - harmlos ausgedrückt - nicht mehr gefiel. Da dachten wir uns, wir machen unseren eigenen Chor.
Am 30. November 2000 trafen wir uns im H 6 mit Interessenten, die ich über das Schwarze Brett der Uni rekrutiert hatte. Wir sprachen über unsere Vorstellungen und einigten uns darauf, uns wiederzutreffen, wenn es einen geeigneten Raum gibt. Diesen fanden wir glücklicherweise ziemlich schnell in der Magdeburger Hoffnungsgemeinde.
Anfang 2001 waren wir so 5, 6 Leute. Die Proben waren von einer ungeheuren Fluktuation geprägt. Zu fast jeder Probe kam mal ein neues Gesicht, welches aber nach einigen Proben wieder verschwunden war. Wahrscheinlich waren wir denen zu schlecht oder nicht vielversprechend genug. Möglicherweise hätte ich auch so reagiert, aber ich hatte nun mal angefangen, also wird durchgehalten! Was zählte, war erst mal das wöchentliche gemeinsame Singen. Gegen Ende des Jahres wurden wir mit einem ganzen Schwung neuer Mädels belohnt.
Zu Beginn des Jahres 2002 waren wir zuversichtlich genug, schon die ersten "Gigs" zu organisieren...die klappten auch allesamt ganz gut und wir gewannen an Mut und Qualität und vor allem Leuten.
Das Jahr 2003 verlief anfangs ziemlich ruhig, was wohl meiner Schwangerschaft und der Geburt unseres ersten Chorbabys Julia geschuldet war. Das ist zwar ungewöhnlich, aber bezeichnend für das damalige InTakt. Es gab ja keinen Vorstand. Ich war diejenige, die den Hut aufhatte und wenn ich nichts organisierte, dann passierte auch nichts. Mir persönlich war das ziemlich recht, so versäumte ich wenigstens nix:-)). Mit einem sehr gelungenen Herbstkonzert starteten wir jedoch wieder voll durch.
Durch die günstigen Gegebenheiten in "unserer" Kirche konnte ich ziemlich schnell wieder an den Proben teilnehmen. Julia schlief in einem Nebenraum friedlich und sanft, die Versorgungsbasis war immer in der Nähe, ich hatte ja die Milchbar dabei.
Das Jahr 2004 war gekennzeichnet durch viele Veranstaltungen - wahrscheinlich wollten wir alles das nachholen, was wir 2003 versäumt haben - und durch regen Mitgliederzulauf. Als wir auf die 20 zugingen, sagten wir uns: Bei 20 ist Schluss, wir wollen ja kein großer Chor werden.
Irgendwann war auch die 30 überschritten, in Spitzenzeiten waren wir 33 Leute - zumindest auf dem Papier. Tatsächlich gab es einen harten Kern, der zu jeder Probe und zu jedem Konzert erschien, einige andere kamen, wie sie lustig waren und wieder andere kamen überhaupt nicht mehr, ohne Bescheid zu sagen.
In den Proben musste Hansi oft von vorn anfangen, was die anderen natürlich nervte und langweilte, aber um einen gleichmäßigen Stand zu gewährleisten, ging es nicht anders. Zu diesem Zeitpunkt war mir Vicky eine sehr große Hilfe, denn als "Ein-Frau-Vorstand" hatte ich es nicht leicht, alles zu organisieren und unter einen Hut zu bringen. Aber so konnte es nicht weitergehen.
Auch von anderen Mitgliedern kamen Verbesserungsvorschläge, z.B. die Gründung eines Vereins, damit wir einen Vorstand und eine Satzung haben; bis jetzt waren wir ja nur ein loser Haufen. Andrea schlug uns eine Zukunftswerkstatt vor, die wir dann auch durchführten. Es folgten Diskussionen, dann mehr Diskussionen und dann noch mehr Diskussionen, fast alles per Mail, so dass man sich denken kann, dass es eine ziemlich wirre Zeit Ende 2004/Anfang 2005 war. Aber das Ende war abzusehen: der 16. März 2005, der Tag unserer Vereinsgründung.
Die Spannung war - jedenfalls bei mir - kaum auszuhalten. Jeder fragte sich: Was wird werden? Wie wird das ausgehen?
Zur Gründungsversammlung erschien wie erwartet fast nur der harte Kern. Nach dem Satzungsbeschluss und dem anschließenden Beitritt der Leute war die Überaschung sehr groß, aber eigentlich auch wieder nicht: Nur die Hälfte (16) konnte sich entschließen, dem neugegründeten Verein "Vokalensemble InTakt" beizutreten. Die Gründe, soweit uns mitgeteilt, waren sehr unterschiedlich. Es reichte von Zeitmangel über Wegzug bis zu persönlichen Gründen. Mal war der Beitrag (2 Euro im Monat!) zu hoch, aber den meisten war die Struktur nun zu straff und die Hürden zu hoch. Dabei sind diese soooo niedrig. Bei Austritt hat man nicht mal ne Kündigungsfrist einzuhalten, und vorher kann man drei Monate ausprobieren, ob man wirklich mitmachen will.
Nachdem wir den Schock verdaut und Kassensturz gemacht hatten, stellten wir fest, dass nun wirklich nur noch die im Chor sind, denen InTakt wirklich am Herzen liegt und die auch bereit sind, sich für den Chor mit aller Kraft einzusetzen. Das war doch schon ein gutes Omen für einen erfolgreichen Neuanfang.
Dass wir nach der Gründung vorerst keinen Bass mehr hatten, hat uns schon ziemlich am Weitermachen gehindert, aber das war mehr ein temporäres Problem, denn mittlerweile sind wir schon wieder auf 22 Leutchens angewachsen und ernten mit unseren Konzerten viele Erfolge.
Neue potenzielle Mitglieder stehen vor der Tür, so dass wir uns um Nachwuchs keine Sorgen machen müssen; für Frauen gibt es sogar eine Warteliste.
Und wenn man mal nach oben sieht und sich den ersten Satz durchliest: Mein Traum ist in Erfüllung gegangen. Und unsere Geschichte geht weiter...
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